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Erste Hausbesichtigung

Erste Hausbesichtigung

Erste Hausbesichtigung

Bereits am zweiten Urlaubstag hatten wir für das von uns auserwählte Objekt der Begierde einen Termin zur Hausbesichtigung gemacht. Die Fahrt dorthin war schon recht interessant. Kaum aus der Stadt raus auf die Schnellstraße und plötzlich waren kaum noch Autos zu sehen. Ich schätze, dass wir in den 20 min. Fahrt auf der Schnellstraße ca. 8-10 Autos und eine Pferdekarre gesehen haben. Da ich deshalb lachen musste, sagte unser Immobilienmakler, dass 1 PS auf Schnellstraßen in Bulgarien nichts Außergewöhnliches sei und fragte zugleich, ob es sowas in Deutschland nicht gibt. 🙂

Wir waren etwas überrascht, als wir die Schilder entlang der Schnellstraße sahen. Diese waren in Bulgarisch und zugleich in Englisch, was uns sehr entgegen kam. Da soll mal einer sagen, die Bulgaren sind nicht ausländerfreundlich 🙂

Als wir im Dorf Atiya angekommen sind, fuhren wir durch die Hauptstraße, die sogar einen Bürgersteig hatte, vorbei an spielenden Kindern und baufälligen Häusern, bis urplötzlich keine Straße mehr da war! Die Hauptstraße hat einfach aufgehört und es ging dann auf einem Ackerweg weiter. Ein Ackerweg, bei dem die Schlaglöcher voll mit Wasser und so tief waren, dass unser Immobilienmakler gleich mehrfach mit seinem Auto aufsetzte. Wow, so was habe ich das letzte Mal 1970 im alten Jugoslawien gesehen.

Der Schock
Kaum ausgestiegen, kam mir schon ein Toilettengeruch entgegen. Kam wohl von dem Exkrementen-Schredder direkt neben dem Haus und der Toilette. Ja, die Toilette steht im Freien und hat ein schönes Herz in der Holztür. 🙂 Genauso kennt man das aus den alten s/w Filmen vom Luis Trenker!

Das Haus schien mir auf den ersten Blick nett und „ausbaufähig“, bis wir dem Objekt näher kamen. Erster Blick rund ums Haus in den Garten, der uns gefallen hätte. Der Garten war groß, hatte einen Brunnen und drumherum wenig Nachbarn. Im Terrassenbereich eine alte versiffte Außenküche, die ihre besten Jahre schon lange hinter sich hatte. Und das Dach des Hauses schien mir keine 5 Jahre mehr zu halten. Aber gut, hätte ich ja alles neu machen können.

Als wir jedoch das Hausinnere betraten, traf uns beide der Schlag. Im unteren Stock gab es zwei Zimmer à 12 qm mit einer geschätzten Deckenhöhe von 190 cm. Da ich selbst 191 groß bin, kann ich das gut abschätzen. Die Wände waren zwar tapeziert, das waren aber Tapeten, die hingen wohl schon seit 1960. Natürlich waren sie entsprechend angeschimmelt, alt und zerrissen. Wenigstens hatte jeder Raum ein Fenster, wenn auch zu klein, damit Licht ins Innere gelangt. Sehen konnte man nur etwas, wenn Licht eingeschaltet war.

Das obere Stockwerk, in das man nur durch die Außentreppe gelang, war noch viel schlimmer, auch wenn es dort eine Toilette gab. Die Toilette stand sozusagen direkt im ersten Zimmer getrennt durch eine Glasscheibe zum Inneren und Äußeren des Raumes. So wie die Scheiben aussehen, kommen die wohl aus dem Sperrmüll. Die Mauern beider Räume waren sehr feucht und die Deckenhöhe war ca. 180 cm bei unebenem Boden. Ich konnte mich mit meinen 191 cm gar nicht aufrecht hinstellen und musste beim Laufen in die Knie gehen und den Kopf auf die Seite legen.

Kurz darauf haben wir uns freundlich verabschiedet und waren froh, den Ort endlich hinter uns zu lassen. Wir wussten beide sofort: hierher würden wir nie wieder kommen!

Pferd mit Karre
1PS ist keine Seltenheit auf den Straßen Bulgariens

Gute Mine zum bösen Spiel

Verglichen mit den Informationen und den Bildern, die ich aus der Datenbank des Immobilienmaklers hatte, fühlte ich mich verarscht und belogen. Niemals waren das 80 qm Wohnfläche. Schätze, die haben die Terrasse und den Garten dazu gezählt! Die Infos und die Bilder der Immobilie weichen stark von der Realität ab. Jetzt weiß ich auch wieso es nur unscharfe Bilder und keine Weitwinkelaufnahmen in dieser Datenbank gab! Und das Beste: Diese Bruchbude sollte 43.500 € kosten!? Dass ich nicht lache! Für die Summe bekomme ich ja in Deutschland Besseres. Wahrscheinlich rechtfertigt sich der Preis wegen der Nähe zum Meer, das in 1 km entfernt liegt. Aber nirgends steht, dass man das Meer an diesem Abschnitt gar nicht erreichen kann, weil es sich um ein Militärgelände handelt!

Neuer Anlauf
Schockiert und sprachlos wurden wir dann von unserem Makler wieder ins Hotel gefahren. Noch während der Fahrt haben wir versucht, ihm mit unseren unzureichenden Englischkenntnissen unser Wunschobjekt zu beschreiben und verständlich zu machen, worauf es uns dabei ankommt. Wir baten ihn, weitere Objekte heraus zu suchen und sich dann die Tage bei uns zu melden, damit wir diese noch besichtigen können.

Die Realität ist leider oft anders, als sie dargestellt wird.

2 comments

  1. WARNUNG AUCH VOR LANDSLEUTEN!
    Nicht nur die Makler versuchen, ihre teils maroden Immobilien mit allen Tricks an den Mann zu bringen. Auch einige deutsche Landsleute treten unter dem Deckmantel der Hilfsbereitschaft auf und wollen doch nichts anderes, als irgendeine Schrott-Immobilie an den nächsten Dummen verscherbeln.
    Lieber dreimal hingucken, fünfmal prüfen und nicht jeden ausgewanderten Landsmann gleich als uneigennützigen Freund betrachten.

    • leider habe ich das von einigen auswanderern auch schon gehört! unter uns sind die schwarzen schafe besonders schwarz!!! was aber auch schlimm ist: dass viele völlig realitätsfremd meinen, die bekommen für 15.000 euro ein super haus nach deutschen standard und mit ein paar kleineren reparaturen wird schon alles gut werden. denen ist leider auch nicht zu helfen.

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