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11 Tage Aufenthalt in Bulgarien

11 Tage Aufenthalt in Bulgarien

Ein Gastbeitrag von “Thomas D.S.”

Da hier im Blog an so vielen Stellen über ein angenehmeres, preiswerteres und weniger stressiges Leben in Bulgarien geschrieben bzw. fantasiert wurde, wollte ich mir die Sache einmal persönlich anschauen. In der ersten Augusthälfte 2018 besuchte ich die Region Burgas und abschließend zwei Tage die Hauptstadt Sofia. Übrigens alles bei bestem Sommerwetter. Auch bei mir steht der Gedanke des Auswanderns im Vordergrund, wobei ich vorranging Wohneigentum erwerben möchte und dieses nicht mittels Kredit über Jahrzehnte abzahlen will. Andere Gründe sind die politischen Veränderungen in Westeuropa, die ich ablehne und für falsch halte.

Bulgarien, am Rande der EU gelegen, schien mir da nicht uninteressant, zumal das Land aus wirtschaftlicher Sicht massives Potential bietet (siehe z.B. Chinas neue Seidenstraße). Mit Ende 30 kann ich meine Zukunft allerdings nicht auf eine Rentenzahlung in Bulgarien aufbauen, sondern muss ein Einkommen erwirtschaften. Da ich übers Internet arbeite, ist der Standort zum Glück nebensächlich. Für mich wäre ein Umzug nach Bulgarien nicht die erste Auswanderung. Ich lebe seit 11 Jahren auf Mallorca und das eigentlich nicht ungern. Nur wird mir Mallorca inzwischen zu teuer, vor allem was den Punkt Wohneigentum betrifft. Doch auch die Lebenshaltungskosten stiegen in den vergangenen Jahren stark an. Ich habe das Gefühl nur noch zu arbeiten, um Rechnungen bezahlen zu können.

Von Palma nach Sofia
Meine Reise nach Bulgarien begann daher am Flughafen Palma. Da die Flugverbindungen von Mallorca nach Bulgarien schlecht sind, blieb nur ein Direktflug nach Sofia. Selbst diese Flugverbindung (Bulgaria Air) besteht nur über die Sommermonate. Den Leihwagen hatte ich bei Top Rent a car gebucht, offenbar der Platzhirsch in Bulgarien. Man sieht überall Werbung des Unternehmens, selbst in kleinen Orten hängen Schilder. Der Flughafen Sofia war schon einmal eine Augenweide. Alles tip top neu, gepflegt und man bekam Lust auf dieses Land. Beim Abholen des Wagen dann die nächste Überraschung. Der Mitarbeiter sprach fließend Spanisch. Da ich auf Mallorca lebe, spreche ich auch Spanisch.

Nach der Autoübergabe kam allerdings gleich die erste Hürde. Das Navi war auf Bulgarisch eingestellt und ich habe lange gesucht, bis ich es auf Deutsch umstellen konnte. Etwa vier Stunden später über die A1 stand ich bereits an der Schwarzmeerküste bei Burgas und konnte die Sonne aufgehen sehen.

Unterkunft hatte ich in Tschernomoretz gebucht, ca. 20 Autominuten südlich von Burgas. Im Laufe der kommenden Tage habe ich mir ausführlich die Küstenregion, das Hinterland sowie die Stadt Burgas angeschaut.

Volkstheater Ivan Vasov
Volkstheater Ivan Vasov

Die Landschaft ist atemberaubend
Trotz des trockenen Sommers war es dort sehr grün. Viele Pflanzen blühten, man sah unzählige Vögel, Schmetterlinge und diverse Insekten. Meine Vergleichsbasis ist ja Mallorca. Durch das kontinentale Klima ist die Luft viel angenehmer, es gibt große Laubwälder, im Gegensatz zu unseren Pinien, wilden Olivenbäumen und Steineichen auf Mallorca. Auch hat man viel mehr Platz an der Schwarzmeerküste um Burgas. Diese ist in vielen Teilen noch unbebaut, es gibt große, offene Flächen, die sich abwechseln mit Feldern und Wäldern. Allerdings muss ich sagen, dass das Wasser des Schwarzen Meeres eher nach Brackwasser schmeckt, also nach einer Mischung aus Süßwasser und Salzwasser. Ganz anders als das Mittelmeer.

Schmetterling
Schmetterling in Feld und Flur

Atemberaubend ist in Bulgarien aber auch die Infrastruktur, leider im negativen Sinn. Speziell bei den Straßen muss man zum Teil sehr aufpassen. Es gibt zweispurige Schnellstraßen (meist 90 km/h), die sind ganz passabel. Jedoch sind die Auf- u. Abfahrten meist sehr kurz, eine Spur zum Einordnen gibt es oft nicht. Die Abfahrten kann man leicht verpassen, die Ausschilderung und Straßenmarkierung ist grottenschlecht. Oftmals in den Städten ist die Fahrbahnmarkierung fast komplett abgenutzt, eben auch in Kreisverehren (mehrspurig). Man hat Probleme, die eigene Fahrspur zu finden. Die normalen Ortsstraßen sind ebenfalls eher schlecht. Achtung, dort kann man schnell mit der Schürze vorn am Leihwagen aufsitzen. Zahlreiche Dörfer scheinen hingegen nur eine asphaltierte Durchfahrtstraße zu haben. Nebenstraßen sehen anfangs befahrbar aus, entpuppen sich aber nach wenigen hundert Metern als regelrechte Canyons. Meist kann man nicht einmal wenden. Zwangsläufig setzen sie dort den Wagen auf. Daneben kam es vor, dass die Räder beim Anfahren an einer „Straße“ (Hanglage) aufgrund des schlechten Untergrundes durchdrehten. Das Problem war letztlich nur durch zurück rollen zu lösen. Ich frage mich, wie das im Winter ist, wenn es dort schneit. Ob die Dorfstraßen regelmäßig geräumt werden? Ich denke eher nicht.

Sehr gut ausgebaut ist hingegen die A1 von Sofia nach Burgas. Übrigens ist Tagfahrlicht auf allen Straßen Pflicht, soweit ich weiß.

Zum Parken
Nachdem man den Leihwagen begutachtet hat, ein paar Schimpfwörter in Richtung Unterboden gefallen sind und sich fragt, was wohl der Vermieter zu der zerkratzten Schürze und der Felge sagen wird, stellt sich die Frage, wie man parkt, ohne eine Geldbuße zu riskieren. Auf letzteres hatte mich bereits der Leihwagenvermieter hingewiesen. In den Orten parkt jeder, wie er will. Auf der Straße, im Halteverbot oder gleich auf dem Bürgersteig. Regeln scheinen keinen zu interessieren. In Burgas gibt es blaue Zonen, in denen man einen Parkschein benötigt. Parken ist billig (1 Lev/Stunde = 0,52 €). Leider sucht man Parkautomaten oft vergebens. Rein theoretisch kann man sein Auto mittels einer SMS anmelden. Das geht aber nur, wenn man eine bulgarische Telefonkarte hat. Mit ein wenig Glück findet man einen Mann in Uniform, der Falschparker aufschreibt. Dieser spricht zwar kein Englisch, verkauft einem aber eine Art Rubbellos, auf dem man dann Datum, Uhrzeit und Parkdauer freirubbeln muss. Ein Schein (2 Leva) gilt für zwei Stunden. Bei 4 Stunden legt man also zwei bunte Rubbellose hinter die Windschutzscheibe.

Zur Landessprache Bulgarisch: Bei meinen Recherchen zu Bulgarien hatte ich gelesen, dass die Bulgaren recht gut Englisch sprechen. Selten so gelacht! Wer so etwas schreibt, war noch nie in Bulgarien. In 11 Tagen ist mir fast niemand begegnet, der gut Englisch gesprochen hat. Wenn Sie Glück haben, stammelt Ihnen jemand etwas vor, das dem Englischen nahe kommt. Es kann aber auch Zulu sein. Fündig wird man da am ehesten bei Jugendlichen, die Englisch in der Schule lernen. Menschen ab ca. 35 scheinen kaum Englisch zu beherrschen (viell. abgesehen von Immobilienmaklern).

Unbedingt die Sprache lernen
Dafür sprechen die meisten Bulgaren Russisch. Aufgrund der kyrillischen Buchstaben ist die Nähe zum Russischen vielleicht auch leichter erlernbar. Als gebürtiger Ostdeutscher hatte ich das Glück sechs Jahre Russisch zu lernen, mir fiel es daher nicht schwer bulgarisch zu lesen und auch zu sprechen. Was nicht heißt, dass ich auch den Inhalt verstehe. Etwa jedes 6. Wort (16,6%) konnte ich deuten, den Rest muss man sich zusammen reimen. Für alle, die sich mit dem Gedanken tragen nach Bulgarien auszuwandern, daher der Rat: Unbedingt die Sprache lernen. Ansonsten gehen Sie dort unter. Ich kenne das von Mallorca, wobei hier hauptsächlich Katalan gesprochen wird. Ob Behörden, Ämter, Autowerkstatt, Telefonanbieter, Bank, Versicherung, Arzt usw., ohne Beherrschung der Sprache zockt man sie ab und als freundlicher Deutscher bedanken Sie sich noch. Immer mit dem Hintergedanken, dass Sie ja dort der Ausländer sind. Ich kenne das von hier! Sie können nur mithalten, wenn Sie sich auch verbal wehren können, sprich Gegenargumente bringen können. Nur dann merkt Ihr Gegenüber, dass Sie kein ahnungsloser Ausländer sind. Erst dann nimmt man Sie ernst!

Bulgaren nette Menschen?
Zu den Menschen allgemein, die ich, vorwiegend im Raum Burgas, getroffen habe. Dass die Bulgaren sehr nette Menschen seien, kann ich nicht bestätigen! Nicht dass sie unfreundlich wären, aber es grüßt einen niemand. Auch nicht, wenn man sie als erster grüßt. Sie scheinen das nicht zu kennen. Nicht einmal in der Pension am Frühstückstisch wurde gegrüßt. Dabei hatte ich in der Landessprache gegrüßt. Das kenne ich so von Mallorca nicht. Hier grüßen die meisten Menschen zurück, wenn man sie grüßt und geben auch Auskunft, wenn man etwas fragt. Und beim Wandern wünscht man sich „bon camino“ (gut Weg). Versuchen Sie das mal beim Wandern im Raum Burgas (natürlich auf Bulgarisch). Die wissen damit gar nichts anzufangen. Die schauen Sie nicht einmal an.

In den Geschäften ist es ähnlich, die Kommunikation beschränkt sich auf das Wesentliche, der Kunde wird kaum angeblickt. Diese beschriebene Freundlichkeit der Bulgaren habe ich 11 Tage lang nicht gefunden. Aber da hat vermutlich jeder seine eigene Auffassung.

Allgemein kann man sagen, dass die Menschen billig gekleidet sind und auch keinen guten Geschmack zu haben scheinen. Als gebürtiger Ostdeutscher erinnere ich mich, dass man die Bekleidung vom Polenmarkt hinter der Grenze als „Bad-Muskau-Kollektion“ bezeichnete. Und so sieht sie auch heute noch im Raum Burgas aus. Manchmal hat man den Eindruck, der Kommunismus ist erst seit der letzten Woche vorüber. Die Städter scheinen da etwas weiter zu sein, sie sind besser gekleidet, als die Menschen auf den Dörfern.

Erstaunlicher ist hingegen die Tatsache, dass man überall auf den Straßen zahlreiche Oberklassewagen sieht. Und damit meine ich wirklich die Topmodelle von Daimler, BMW, Audi, Porsche, Jaguar usw. Alle mit bulgarischen Kennzeichen. Wie geht das nur?

Das Essen
Damit zum Essen. Gut gefallen hat mir, dass es viel frischen Fisch gibt. Leider gibt es zu allem Pommes und in jedem Gebäck ist Käse. Dunkles Brot sucht man vergebens. Kaffee gibt es überall aus dem Automaten, eigentlich ist immer auch Zucker drin. Ich persönlich mag keinen Zucker im Kaffee. Der Kaffee besteht dort aus einem Schluck Kaffee, der den Becher nicht einmal zu einem Drittel voll plätschert. Daneben gibt es an den Automaten überall Cappuccino, Schokolade, Milch, Tee. Sahen die Automaten auch noch so versifft aus, Kaffee kam überall raus. Preis für diese Erfahrung jeweils 0,50 Leva (ca. 0,27 €).

Um Burgas herum gibt es große Shoppingmalls, in denen internationale Händler vertreten sind. So finden Sie Lidl, Kaufland, Billa, dm Drogeriemarkt, Deichmann, … Zum Teil sind die Waren sogar auf Deutsch beschriftet. Ob man in Bulgarien allerdings für unter 1000,00 € im Monat leben kann, ohne zu sehr auf den gewohnten (mitteleuropäischen) Standard zu verzichten, wage ich zu bezweifeln. Man müsste sich wirklich nur auf einheimische Waren beschränken und das kann hart werden. Da sprechen 11 Jahre Erfahrung auf Mallorca aus mir. Nach einigen Wochen beginnen Sie von deutschen Lebensmitteln zu träumen. Spätestens dann geben Sie doch mehr Geld aus, als geplant.

Die Restaurants bzw. Gartenlokale habe ich zum Teil als sehr ungepflegt und schmutzig empfunden. Da sollte man realistisch sein und die Sache nicht durch die rosarote Brille betrachten. Wenn Sie dort leben wollen, werden Sie damit täglich konfrontiert. Sitze und Tisch kleben, am Nachbartisch wird geraucht, das Essen kommt erst nach 40 Minuten und entspricht nicht dem, was Sie sich vorgestellt haben. Das kann einen mit der Zeit auf die Nerven gehen. Urlaub und dauerhaft dort leben sind zwei vollkommen unterschiedliche Dinge. Ich schreibe das nicht, weil ich meckern will. Auf Mallorca scheitern statistisch 9 von 10 Deutschen und verlassen entnervt das „Paradies“. Unter anderem weil man enorme Abstriche im Vergleich zur alten Heimat machen muss. Ich denke, ich gehöre zu den Erfolgreichen nach 11 Jahren auf der Insel. Die Gründe, warum ich dennoch Mallorca verlassen möchte, habe ich eingangs kurz angerissen.

Nun etwas zu Burgas
Die riesige Bucht und die beiden Seen vor den Toren der Stadt sind herrlich. Draußen auf dem Meer liegen große Containerschiffe, Möwen kreischen und abseits der stark befahrenen Straßen herrscht Natur pur. Ist man dann auf dem Weg in die Stadt, wird es schon ärmlicher. Es dominiert postkommunistischer Charme, bestehend aus herunter gekommenen Plattenbauten mit Klimaanlagen, viel Beton, viel Rost, viel Schmutz, Müll, Bauruinen und auch Elend. Man kann sich das noch als Lokalkolorit schön reden, aber auch nur eine Weile. Vielleicht fällt es Ihnen leichter, wenn Sie aus Stuttgart, Köln oder Hamburg kommen. Das ganze Gegenteil sind wiederum die Fußgängerzone von Burgas, der Stadtstrand sowie die Parkanlagen. Diese sind wirklich sehenswert und bieten wahrhafte Erholung. Für den Körper und für das Auge. Nur leider wohnt man nicht in der Parkanlage, wenn man nach Burgas und Umgebung auswandern will. Den Status haben nur die Obdachlosen. Beeindruckend sind die vielen Denkmäler über die großen Söhne und Töchter des Landes, über gewonnene Kriege und siegreiche Schlachten. In Deutschland ist das ja leider verpönt, ich denke aber es stärkt den Zusammenhalt eines Volkes und lässt das Bewusstsein der eigenen Kultur und Geschichte nicht verblassen.

Burgas
Burgas Fussgängerzone

Doch zurück in die Straßen von Burgas, wo das tatsächliche Leben spielt. Hier sehen Sie neben dem oben beschriebenen Lokalkolorit auch viel Schmutz, graue, bröckelnde Fassaden und Elend. Herrenlose Hunde und Katzen, die um ihr tägliches Überleben kämpfen müssen. Es kann einem das Herz zerreißen! Auf Mallorca habe ich drei Straßenkatzen im Laufe der Jahre aufgenommen und weitere übergangsweise betreut. Ich weiß, wovon ich rede.

Während meines Aufenthaltes an der Schwarzmeerküste habe ich auch Tschernomoretz (Ort meiner Unterkunft), Sozopol, Primorsko, Kiten, Sredez, Kameno, Pomorie und Nessebar erkundet. Daneben kleinere Orte, in denen man Filme über die Sowjetzeit drehen könnte, ohne dass man viel verändern müsste. Auf die Bedürfnisse eines halbwegs hochwertigen Tourismus ist man nicht eingestellt. Auch hier vergleiche ich logischerweise mit Mallorca. So ist eine Touristinformation selten zu finden. Und wenn ja, spricht man kein Englisch.

Sozopol ist sehr schön, allein man kann schlecht parken. Ebenso in Primorsko und Kiten. Die Parksituation ist zum Teil katastrophal. Man sollte Parkhäuser bauen, die die Situation vor Ort entlasten. Die Strände sind im Sommer gerappelt voll, es liegt viel Müll in der Gegend. Viele Strände sind mit Schirmen und Liegen überflutet, die man sich teuer bezahlen lässt (10 – 20 Leva pro Tag). Dafür gibt es einen alten Werbesonnenschirm und zwei schmutzige Liegen. Achtung: In Tschernomoretz fließt das Abwasser direkt unter der Promenade und einer Betonabdeckung in den Strand. Dort wo das Wasser dann zutage tritt, spielen fröhlich die Kinder im flachen Wasser. Wohl auch ein Grund warum das Wasser so seltsam schmeckte. Wie gesagt, ich will nicht meckern. Wer es nicht glaubt, soll hinfahren und sich davon selbst überzeugen.

Das alte Fischerstädtchen Nessebar hat man in so eine Art Ramschbasar verwandelt. Kaum eines dieser wunderschönen alten Holzhäuser, welches nicht Dinge verkauft, die keiner braucht. Dafür aber Weltkulturerbe.

Übrigens gibt es in vielen kleineren Orten ein lokales Museum, welches Volkskunst und Archäologisches präsentiert. Beschriftung der Exponate fehlt aber meistens.

Zu den Immobilien
Leider hatte die Maklerin von Bulgarien-Franz (nochmals Dank für die Kontaktvermittlung) in meinem Zeitraum vor Ort, Urlaub. Auch eine andere empfohlene Maklerin hatte keine Zeit für mich. Ihre Begründung war, es sei Urlaubszeit, sie seien im Büro unterbesetzt und hätten sehr viele Kunden momentan. Gut, dass verstehe ich und habe dafür auch Verständnis. Ich habe mir in Tschernomoretz einige Objekte selbst angeschaut, die im Bau waren. Ebenso zwei Apartments in einer Wohnanlage. Diese waren durchaus ansehnlich. Die Wohnanlagen sind umzäunt, es gibt einen Gemeinschaftspool, herrliche bepflanzte Anlagen, einen Hausmeisterservice sowie Reinigungsservice. Daneben Friseur und Restaurant. Aber auch hier: Das Personal spricht neben Bulgarisch Russisch und das war’s. Katzen wären maximal in der Wohnung erlaubt, nicht jedoch als Freigänger. Hunde in der Anlage nur an der Leine.

Was mich aber erstaunt hat ist die Tatsache, dass unter den Bewohnern die meisten Russen zu sein scheinen. Sehr häufig sieht man aber auch Briten, Schweizer und Deutsche. An vielen Rahmen der Autokennzeichen kann man ablesen woher die Fahrer kommen, bzw. bei den britischen Autos daran, dass das Lenkrad rechts ist. Also auch an Autos, die ein bulgarisches Kennzeichen haben. Offenbar zieht es viele Westeuropäer an die bulgarische Schwarzmeerküste. Sicher, die Region hat enormes Potential. Leider kann ich das Heruntergekommene und den permanenten Mangel an Qualität, Ordnung, Freundlichkeit und Sauberkeit nicht dauerhaft ignorieren und mir schön reden. Auch wenn ich in 11 Jahren Mallorca gelernt habe, niedrigere Maßstäbe an zusetzen.

Abschließend noch ein paar Worte zu Sofia

Tolle Stadt mit einem faszinierenden Zentrum. Auch dort gibt es wunderschöne Parkanlagen und viel zu sehen (Ausgrabungen, Kirchen, Kunstausstellungen, Museen usw.). Parken und Übernachten ist preiswert. Gerät man aber in einige Stadtteile wo Armut herrscht, dreht sich einem fast der Magen um. Das härteste war ein Bettler, der keine Beine unterhalb der Knie hatte. Der ist tatsächlich zerlumpt auf Knien über die mehrspurige Straße gerobbt, während der Grünphase für Fußgänger. Anwesende Polizisten schienen das ganz normal zu finden und gingen weiter. Andere bettelten einen ständig an. Gern auch in der Kombination mit Tieren.

Ähnliches kann man außerhalb der Stadt in der Nähe des Flughafens beobachten. Dort „leben“ offenbar Roma und Sinti. Besser gesagt, sie hausen. Schlimmer als Tiere in Bergen von Müll und Dreck. Da ich vor der Abgabe des Leihwagens den Tank füllen musste, bin ich dort eher zufällig hingekommen.

Alles in allem war die Reise nach Bulgarien eine Erfahrung, die ich nicht bereue. Wäge ich aber ab, ob ich dort leben möchte, nur um etwas günstiger zu leben, als hier, so muss ich das verneinen. Ich denke, das ist es nicht wert. Mein Land wird es nicht. Klar habe auch ich schöne Fotos von Bulgarien aufgenommen (Fotografie war Teil meines Studiums) aber es ist ja meist so, dass man eben nur die schönen Dinge fotografiert. Schaut man sich dann die Bilder an, geben sie einen verzerrten Blick auf die Realität wider. Das gilt auch für die Dokus im TV. Man möchte dem Betrachter keinen Müll, keine Bettler und die Probleme vor Ort zeigen. Diesen werden Sie vor Ort aber begegnen und wenn Sie sich dort nieder lassen, dann können Sie nicht dauerhaft die Augen davor verschließen. Da helfen auf Dauer auch keine deutschen Freunde vor Ort.

Noch ein allerletzter Punkt. In den Auswanderersendungen im TV (z.B. Goodbye Deutschland) werden Sie als geneigter Zuschauer immer ein Muster finden: Viele Paare trennen sich, Ehen gehen teilweise nach Jahrzehnten auseinander. Eine Auswanderung ist eine enorme Herausforderung für eine Beziehung und viele unterschätzen das. Seien Sie sich dessen bewusst! Nicht umsonst bin ich Single, dafür aber mit drei Katzen gesegnet. Ähnlich die Videos der Auswanderer bei youtube. Die Gescheiterten stellen keine Videos rein, die schämen sich. Ergo sehen Sie nur, wie erfolgreich andere beim Auswandern sind.

Beste Grüße und viel Erfolg an alle, die Bulgarien erobern möchten!

Danke für den Gastbeitrag “Thomas D.S.”
September 2018

18 comments

  1. Ich fand den Beitrag von Thomas D.S. nicht ganz aus der Luft gegriffen oder bis ins Letzte überrissen denn BG und Mallorca sind zu sehr verschieden. BG hat aber deshalb attraktive Vorteile weil das Land eben trotz meeresflut an europäischen Verordnungen dagegen weitestgehend immun geblieben und hoffentlich weiterhin bleibt. Ich schließe mich in allen Punkten der Meinung Berthold Kynast’s an. Bulgarien muß man nicht unbedingt toll finden, aber zweifelsohne in diesem Land läßt sich angehnem, stressfrei und gelassen als Freelancer auf Budget wirtschaften, in räumlicher Nähe zu den EU-Hauptmärkten und mit sehr vernüftigem Steuersatz. Wer dies verkennt der hat BG leider nicht ganz verstanden.

  2. Liane Witt-Pellmann

    es ist nicht perfekt hier,aber ich finde genau das charmant.Seit 10 Wochen bin ich nun hier und habe es keinen Tag bereut. Jeder soll seinen Platz suchen…ich habe ihn gefunden.

  3. Ich stimme zu, dass man nicht alles negativ sehen muss, aber genauso gilt es, dass nicht alles nur positiv gesehen werden kann. Kritik ist erlaubt und ich stimme dem Gastbeitrag in vielen Dingen zu. Die Straßenverhältnisse sind eine Katastrophe, das kann man nicht wegdiskutieren. Ja, einesteils vllt. von Vorteil, wenn man in seiner Ruhe nicht gestört werden wi!!, andererseits schlichtweg zum Schreien, muss man mal selbst viel fahren.
    Ich renoviere z. Zt. und bin nur noch genervt dadurch. Genervt auch durch das nach meiner Meinung beschränkte und teils qualitativ schlechte Angebot der Baumärkte. Es ist mühsam, sich zusammensuchen zu müssen, was man so braucht. Teils verfährt/verläuft man viel Zeit, teils ist es schwierig bis unmöglich, diversen Verkäufern klarzumachen, was man braucht. Nicht der Sprache wegen (das geht mit Fotos, Wörterbuch, Händen und Füßen), nein, ganz vieles ist einfach unbekannt oder gibt es (noch) nicht in BG.
    Das gilt auch für viele Kleinigkeiten des täglichen Lebens. Ich sag nur Scheuerlappen (Feudel, Bodenwischtuch), Essigessenz, Soda…..! Gibt es nicht (Infos diesbzgl sind willkommen). Gleiches gilt für Lebensmittel. Ja, da wiederum gibt es vieles bis alles bei den großen ausländischen Supermärkten. Aber Gewohntes bezahlt man “sehr gut”, sei es, weil es nur in Mini-Packungen angeboten wird oder als Import eh schon teuer ist. Klar, man muss nach Sonderangeboten gucken, sich an einheimischen Produkten orientieren (wobei letztere für den durchschnittlichen mitteleuropäischen Gaumen äußerst gewöhnungsbedürftig sind).
    Milchprodukte finde ich besonders preislastig. Liegt natürlich daran, dass in BG eine Milchwirtschaft wie in D nicht existiert. Was ich als Tierschützer gar nicht so schlecht finde.
    Grundsätzlich ist was dran, dass wir in D sehr verwöhnt sind, was Angebote und Preise im Lebensmittelsektor betrifft. Das findet man in BG so nicht!!
    Was die hier angesprochene Freundlichkeit der Bulgaren betrifft: Es ist wie überall auf der Welt! Von A wie Arschloch bis Z wie zauberhafte Menschen bin ich schon allem begegnet. Leider auch schon abgezockt worden an einer Stelle, an der ich niemals mit Taschenspielertricks gerechnet hatte (250 BGN, die wehgetan haben). Was ich aber viel schlimmer finde ist die Tatsache, dass der Spruch leider stimmt, der da heißt: Hüte Dich im Ausland vor den eigenen Landsleuten! Meine bulgarischen Nachbarn schenken mir Gartenfrüchte, mein dtsch. Nachbar belügt und beklaut mich.Und auch sonst wollen viele Landsleute gerne unter dem Deckmantel der freundlichen Hilfe ein Geschäft machen… trau, schau, wem!
    Trotzdem und trotz allem: Ich fühle mich hier endlich befreit vom deutschen Gängelband, ich hab meine Ruhe und kann unbehelligt leben, wenn ich die Tür hinter mir zumache.
    Es gibt vieles und noch mehr, was man bekritteln kann. Aber genau deswegen darf man nicht mit der rosa Brille auswandern. Nirgendwohin!
    Genau deshalb finde ich den Gastbeitrag überhaupt nicht negativ! Der Autor hat geschildert, was er empfunden hat und das, nach meinem Dafürhalten, sachlich und nicht abwertend.
    Übrigens: Was er zum Schwarzen Meer schreibt, ist gar nicht so weit hergeholt, wenn man über die Besonderheiten der geographischen Gegebenheiten dieses Meeres nachliest. Und leider ist es bzgl. der Wasserqualität durch (immer noch) Schmutzeinträge und wachsenden Tourismus nicht zum Allerbesten bestellt. Nichts ist nur Gold bzw Rosa!

    • Hallo Chris. Soda gibt es hier fast überall zu kaufen. In den großen Supermärkten garantiert. Schau mal unter dem lateinischen Namen:

      Natriumcarbonat (fachsprachlich) oder Natriumkarbonat (Na2CO3), wasserfrei auch calciniertes Soda, reines Soda[6] oder Waschsoda (engl. washing soda) genannt, ist ein Salz der Kohlensäure. Als Lebensmittelzusatzstoff trägt es das Kürzel E 500.

      LG Brigitte

      • Nein, Brigitte, auch mit Wikipedia (bulg. natürlich) gibt es das hier nirgendwo. Natron in kleineren Mengen ja, aber das ist ja was ganz anderes!

    • Ich gehe nur noch zum Baumarkt Mr. Bricolage. Die haben alles, sogar eine Superfarbmischmaschine, sehr kompetentes Personal, es ist sauber und gepflegt dort.

      Scheuerlappen gibt es nicht? Kann ich nicht nachvollziehen, ich finde, es gibt sogar ein Überangebot. Geh doch mal in den Drogeriemarkt Elitis (drei Filialen in Varna, weiss ja nicht, wo Du lebst).

      Milchprodukte: geteilte Meinung, es gibt keine Sahne, Butter hat immer einen ranzigen Beigeschmack und Milch unter aller Kanone. Meine Lösung: Butter wird aus D importiert und eingefroren, Milch hole ich vom Bauern und auf Sahne muss ich verzichten. Joghurt jedoch ist super, und der Sirene (“Weisser Käse”) auch.

      • Hallo Maria, im Lidl gibt es Sahne 200ml von Pilos nennt sich
        Whipping Cream. Kostet so um die 1,50 Lewa. Sie ist im Tetrapack und steht nicht !!! im Kühlregal meist bei Kaffesahne.

        Soda gibt es sogar bei uns im Dorf- Magasin, dieses Produkt ist bei den Frauen hier im Dorf sehr gefragt, da es oft zum Backen verwendet wird. Wenn man so ein bischen rum stöbert in den Geschäften/ Supermärkten stellt man fest, es gibt fast alles hier.
        Obst und Gemüse kann man saisonbedingt preisgünstig auf jeden Basar kaufen oder auch am Straßenrand….
        Äpfel uä. kann man auch oft zu mega Preisen direkt von den Plantagen kaufen.
        Baumärkte gibt es hier wie Sand am Meer, ich weiß nicht, wo sie wohnen Herr/ Frau Chris,
        aber selbst einheimische Straßenhändler haben viele Baumaterialien im Angebot.
        Wir kaufen unsere Eier, Gelbkäse und Jogurt von der Nachbarin, mehr BIO geht nicht. Bulg. Butter ist ungenie0bar? Ja sehe ich auch so. Wenn deutsche Butter im Angebot ist, kaufen wir richtig viel und frieren sie ein.
        Ansonsten gibt es Rama mit Buttergeschmack gesalzen und ungesalzen zu kaufen, eine gute Alternative wie ich finde.
        Wir fühlen uns hier “pudelwohl” und ich glaube nach 7 Jahre Bulgarien sagen zu können, wir sind einfach nur glücklich und zufrieden hier.
        Ich wünsche allen ein traumhaften schönen Herbst.

        • Hallo Petra,

          vielen Dank für Deinen Hinweis wegen der Sahne. Werde sie gelegentlich mal unter die Lupe nehmen, obwohl ich Lidl sonst aus Prinzip boykottiere.

          Bin seit 2003 da, das waren damals noch wilde Zeiten, so ohne EU, Billigflieger und mit (Schwarz)-Bauwut im Land.

          Ich fühl mich sehr wohl, sehe aber auch die schweren Seiten. Stichwort Rassismus, Korruption und Bürokratismus.

          Herzlichen Gruß von der Küste

          Maria

  4. Hallo Thomas,

    Du beschreibst die Straßenverhältnisse in Bulgarien, da wo Du warst, off the beaten track, insgesamt als katastrophal. Kann schon sein, daß das so ist. Nur in Touristengebieten ist alles hergerichtet, nach und nach auch in Großstädten, dank EU – Geldern.

    Ich lebe in einem kleinem Dorf an der Schwarzmeerküste, und die Zufahrtsstraße ist so kaputt, dass mir regelmäßig touristische Autofahrer entgegenkommen, wenn ich ins Dorf fahre, die mich aufgeregt warnen, dass ich nicht weiterfahren soll, weil die Straße so schlecht sei. Da freue ich mich jedes mal ganz besonders, weil wir dadurch ja unserer Ruhe haben im Dorf.

    Ich kenne jedes Schlagloch und jeden Stein, und fahre die Piste im Schlaf.

    Zu den Englischkenntnissen: letztens hatten wir 3 Touristen in der Kneipe, die es ins Dorf geschafft haben. Sie wollten was bestellen, aber sie konnten es nicht rüberbringen. Unsere patente Wirtin war so verzweifelt, dass sie eine perfekt englisch sprechende Bekannte anrief, und sie mit den Touristen verband, um die Wünsche der Gäste zu ermitteln. Die Spanier konnten ganz schlecht englisch und am Ende kam raus, dass sie 3 Bier wollten. Das war der Brüller des Tages im Dorf in der Kneipe..

    Denn soviel Englisch kann selbst unsere patente Wirtin am ende der schlechten Straße, dass sie weiß, dass Bier auf Englisch „beer“ heißt.

  5. Ich habe den Beitrag gelesen, einiges ist sehr gut dargestellt und stimmt auch, vor allem das mit den Straßenverhältnissen, aber einige Punkte kann ich nach jetzt fast 5 Jahren in denen ich in Burgas lebe, absolut nicht nachvollziehen. Es ist sicher nur eine Momentaufnahme, was damit anfängt, dass die Landschaft normalerweise nicht so grün aussieht wie diesen Sommer. Dieser Sommer war bis Ende Juli einer der sonnenärmsten und vergegnetsten die es hier überhaupt geben kann. Das ist der Grund, weshalb alles so grün aussieht um diese Zeit. Was die Pflanzenwelt hier angeht, die ist hier einfach noch natürlicher als die im Westen Europas, in dem die natürliche Mittelmeervegetation so wie sie hier im Süden der Küste bis an die türkische Grenze, noch vorhanden ist. Pinien, Steineichen, auch Oliven (allerdings keine wilden), Oleander, Palmen, Granatäpfel und alles was man sonst so vom Mittelmeerraum kennt, wächst hier auch im einzigen Gebiet Bulgariens mit Mittelmeerklima, das sich bis 10 km von der Küste ins Landesinnere und bis zum Südrand des Balkangebirges erstreckt. Das ist ein Klima das in allen Werten (außer dass es hier viel sonniger ist) praktisch identisch mit demjenigen im Nordteil der italienischen Adria ist. Zu Burgas selbst: Es dürfte zu sehen sein, dass die schlimmen Hochhausbauten gerade alle nacheinander komplett neu gestrichen und renoviert werden, das braucht Zeit, aber es geht schnell voran. Bulgaren sprechen kein Englisch? Das kommt vereinzelt mal vor, aber gerade hier in Burgas sprechen viele sogar Deutsch. Das gehört zu den Punkten die ich absolut nicht nachvollziehen kann, denn ich lebe seit fast 5 Jahren hier und habe wegen meiner ARbeit noch keine Zeit gefunden, die Sprache zu lernen. Es muss bei mir mit Learning by doing laufen. Bulgaren unfreundlich? Ich habe mich vom ersten Moment an hier so gefühlt als wäre ich nie woanders gewesen, und habe nach 6 Monaten hier meine Frau kennengelernt, eine Bulgarin aus Burgas, und so viel Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit wie hier habe ich in meinem ganzen Leben vorher in Deutschland noch nie erlebt. Die Bulgaren mögen auf den ersten Blick verschlossener sein, aber dafür sind sie auch nicht oberflächlich wie das die Südeuropäer im Westen des Kontinents sind. Man muss auch eines bedenken, das Land hat 500 Jahre schlimmste islamische Besatzung hinter sich, die erst seit 100 Jahren vorbei ist, danach kam bald der Kommunismus. Das hat Auswirkungen! Wildlebende Hunde in Burgas? Burgas ist die einzige Stadt in Bulgarien in der es eben keine (oder genauer gesagt fast keine) wildlebenden Hunde gibt. Katzen ja, und davon viele, aber die tun nichts. Mir ist in der ganzen Zeit hier in Burgas höchstens 4-5 Mal ein wildlebender Hund vor die Augen gekommen. Mehr nicht. Und ich habe die Stadt in den ersten 4 Monaten täglich kreuz und quer mit Laptop zu jeder Tages- und Nachtzeit kreuz und quer durchlaufen. Nie ist mir da irgendwo ein Hund begegnet, übrigens auch kein Mensch, der mich bedroht hätte. Sauberkeit von Lokalen: Kann ich auch nicht nachvollziehen, es gibt jede Menge Lokale die blitzsauber sind, und gerade hier sind die Regeln für Gastwirtschaftbetriebe besonders streng. Das weiß ich von einem Deutschen der hier vor seiner Rente eine Gastwirtschaft hatte. Von den Produkten aus Deutschland fehlt mir überhaupt nichts, nur manchmal lasse ich mir halt von Deutschen vom Aldi in Deutschland die Mandelschokolade, Eierlikör mitbringen, das wars aber auch schon. “Mangel an Qualität, Ordnung, Freundlichkeit und Sauberkeit”, Spanien ist mit Sicherheit auch kein Vorzeigeland gerade für diese Punkte. Auf jeden Fall werden sich die Dinge in Spanien gerade jetzt weiter zuspitzen, während Bulgarien auf dem aufsteigenden Ast ist. Eines ist sicher: Es gibt in der EU keine einzige Alternative bei der man niedrige Steuern, niedrige Lebenshaltungskosten und gleichzeitig Mittelmeerklima hat. Gerade fällt mir noch etwas auf, wo außerhalb von Burgas soll denn in der Nähe des Flughafens dieses Gebiet sein, wo Romas und Sinti leben, und alles voller Müll ist? Das ist allerdings auch nicht die Schuld von Bulgarien, sondern das ist deren Lebensweise, die sie nicht ändern wollen. Solche Siedlungen werden sich gerade in Westeuropa nun durch eine andere Bevölkerungsgruppe bilden, die zunehmend dort anlandet. Aber wie gesagt, nicht jedes Land ist für jeden. Nur: zu Bulgarien gibt es in der EU keine Alternative.

  6. Das ist leider nur eine Momentaufnahme. Denn in 11 Tagen kann man das wahre Leben hier nicht bewerten. Mein Mann und ich sind viele Jahre hier in Bulgarien. Als wir hier ankamen waren noch keine Deutschen hier. Wir konnten nur wenig bulgarisch. Dass hier kaum jemand Englisch spricht, kann ich nicht bestätigen. Die meisten Behördengänge oder auch Friseur, Kosmetikerin, Zahnarzt, Hausarzt usw. sprechen deutsch oder englisch. Was ich bestätigen kann ist die Sauberkeit, die man hier an vielen Stellen vermissen muss. Lokale gibt es ausgezeichnete, sauber mit ausgebildetem Personal, aber eben auch schlechte. Wie das überall auf der Welt ist. Wenn man hier lebt, dann findet man seine Lieblingslokale mit ausgezeichnetem Essen. Parken ist in den Städten und Touristengebieten ein Problem. Wenn ich hier lebe stört mich das weniger, dann weiß ich wo es freie Parkplätze zu finden gibt. So ist in Burgas, direkt in der Innenstadt eine riesige Tiefgarage. Nicht weit davon entfernt ein überdimentsionierter, bewachter Parksplatz der imm freie Plätze bietet. Von dort kommt man nach 200 Metern in den Meeresgarten oder in die Innenstadt. Ratsamer ist es also, wie Freunde das gemacht haben. Sie kamen für 3 Monate hierher. Haben hier probewohnen gemacht und entschieden, das ist unser Land. Denn eines muss man auch sehen. Hier ist alles entschleunigt, hier gibt es keinen Stress. Aber es dauert eben, bis man sich mit dieser neuen Kultur angefreundet hat und merkt, wie das vor allem der Gesundheit entgegen kommt.

  7. schade, dass es Menschen gibt, die alles nur ins Negative zerren. Ja Bulgarien hat mit Mitteleuropa wenig gemeinsam, jedoch lohnt es sich hier zu leben. Nicht nur weil es günstiger ist, sondern weil es einem wieder frei atmen lässt. Wir leben hier anders, aber zufrieden

  8. ja so kann nur ein ostdeutscher reden und denken.Der sollte wirklich auf Mallorca bleiben. Ich war 3 wochen am gold strand und die leute waren immer sehr freuntlich und sprachen sehr gut english. Was ich wohl als 19 jJahre un USA besser beurteilen kann wie Der von Malle. Bleib wo du bist kann ich nur sagen

    • Liebe Frau Theis,

      dass der Verfasser des Gastkommentares hier nur ein einzelner Ostdeutscher ist und nicht die Mehrheit der Ostdeutschen darstellt, möchte ich hier ausdrücklich betonen!
      Allein die Aussage, dass er 6 Jahre in der Schule Russischunterricht genießen durfte, dort aber anscheinend nicht viel gelernt hat, um das Navi bedienen zu können, lässt tief blicken.
      Auch ich bin aus dem Osten und kann dem Herren in vielen Punkten nicht zustimmen. Gerade was die Freundlichkeit der Bulgaren angeht haben wir nur positive Erfahrungen gemacht, es wurde zurückgegrüßt, wenn man in ein Magasin oder Restaurant kam und Dobre Den wünschte und wie selbstverständlich wollte man gleich weiter auf Bulgarisch eine Unterhaltung führen. Leider musste ich dann aufgeben, kam aber mit Englisch oder Russisch weiter.
      Grundsätzlich bin ich Ihrer Meinung, dass Menschen mit dieser Meinung lieber auf Malle bleiben sollten, das hat aber nichts mit Nord, Ost, Süd oder West zu tun. Eher mit der einzelnen Person. Wie es in den Wald reinruft…
      Trotzdem liebe Grüße von der Ostseeküste, die ich im Oktober wieder gegen das Schwarze Meer für 1 Woche eintauschen werde!

    • Bulgarien muss man lieben, sonst wird das nichts. Egal wo man herkommt.
      Zum Glück gibt es auch Leute, die Bulgarien nicht so mögen. So haben wir unsere Ruhe und müssen uns nicht mit ewigen Nörglern rumquälen. Es ist kein perfektes Land, aber Sie arbeiten dran. Früher fuhr der Zug jeden Tag um die gleichen Zeiten, jetzt muss man den Fahrplan studieren. Sonntags anders als Samstags, in der Woche auch anders. Andere Bahnlinien werden eingestellt. Es kann alles so einfach sein, aber ….., alles muss perfekt sein, bzw Profit bringen. Früher saßen die alten Frauen in Sliwen am Basar und haben Ihre gesammelten Kräuter verkauft. Jeder hatte Vertrauen zu Ihnen und sie verstanden etwas von Kräuterkunde. Niemand hat sich eine Vergiftung zugezogen oder wurde dadurch krank. Jetzt gibt es das nicht mehr, dank EU. Bulgarien verändert sich. Aber die Menschen in den Dörfern freuen sich, uns die alten Tratitionen zu erklären. Wenn jemand Bulgarien kennenlernen will, dann sollte er eine Reise in die Dörfer Bulgariens machen und nicht in die Toristenhochburgen.Liebe Grüße Eli

      • Genau so ist es. Mein Vivacomfestnetzanschluss z. B. ging seit April bis auf wenige Tagen nicht mehr. Früher haben Sie umgehend einen Trupp Leute ins Dorf geschickt, um den Fehler zu beheben, bis jetzt war diesmal noch niemand da, weil es sich nicht lohnt. Die haben die Leitung einfach vergammeln lassen und in Kauf genommen, dass die paar Leutchen aus dem Dorf zu Telenor wechseln, die Telefonie per Voice Over IP anbietet. Ich habe seit gestern auch bei denen einen Vertrag. Die Grundgebühr wollte Vivacom trotzdem, und nach hartnäckigen Auseinandersetzungen haben sie darauf verzichtet.

        Die Preise ziehen deutlich an. Eine Regalanfertigung sollte z. B. im Vergleich zum letzten Jahr das doppelte kosten.

        Dank EU gibt es ein wenig mehr Rechtssicherheit und die Flut der Schwarzbauten wurde gestoppt. Es gibt auch keine Amnesien mehr wie früher, als regelmäßig Schwarzbauten im Nachhinein legalisiert wurden. Da haben sich im Übergang zu dieser neuen Praxis doch einige Leute verrechnet.

        Bulgarien ist dennoch immer noch anders und bietet ein freieres Lebensgefühl. Und in der Tat, hier kann es sperrig sein, und deswegen ist es nichts für jeden. Zum Glück!

  9. Danke für den Blick den ich so nicht kannte.

    • Weil ich das hier thematjsch passend finde: Wie steht Ihr eigentlich zur Müllproblematik hier im Land?
      Ich muss sagen, dass mich die immense Vermüllung ziemlich verzweifeln lâsst.

      Neulich hab ich mal den Friedhof besichtigt und war regelrecht geschockt ! Ja, Plastikflaschen, Plastkblumen, Zeugs außen am Zaun…das Übliche. Aber was icn dann auf dem Platz vkrgefunden habe, war einfach nur unbeschreiblich!! Glajbt mir, wenn ich sage, dass es aussieht dort, als hätten Wandalen gehaust, eine Müllkippe ist clean dagegen. Ein Container steht übrigens direkt vor dem Friedhofstor.
      Zwei Tage später habe ich ne Radkappe verloren und bin zum Suchen derselben ca. 3km ganz langsam an Wald- und Feldrain langgefahren. Was sich da meinem. Blick aufgetan hat, hat mich nur noch wütend gemacht. Der Plastikmüll im Meer kann nicht mehr sein, als der Müll, der hier alles verschandelt. Jetzt im Winter sieht mans besonders deutlich.

      Ich bin nicht tatenlos. Den Friedhof werden meine russische Nachbarin und ich demnächst mit Mülltüten bewaffnet aufsuchen. Ich lese wöchentlich einen Beutel voller leerer Zigarettenschachteln, Bierflaschen, Plastiktüten und -flaschen und mehr in meiner Straße auf (die ich übrigens alleine bewohne), in der höchstens alle zwei Tage ein Auto vorbeifährt. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen!
      Verstehe ich irgendwas nicht richtig? Wie kann man das alles nicht sehen? Wie kann einem das so egal sein, dass man in diesem Dreck lebt?
      Mit Armut hat das garantiert nichts zu tun! Dieses Land ist eine riesige Müllhalde und ich krieg da meine Augen nicht mehr zu!

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